Eine gesellschaftliche Herausforderung. Von der Wahrnehmung zur Verhaltensänderung

Unter diesem Titel startete im September 2016 ein bisher einmaliges Projekt am BRG Wiener Neustadt, in der Gröhrmühlgasse. Einmalig deshalb, weil es für ein ganzes Schuljahr anberaumt war und dafür in einer Unverbindlichen Übung eingebettet wurde. Dieses Projekt war als Teil der österreichweiten „k.i.d.Z.21“-Initiative geplant, die vom Geografischen Institut der Universität Innsbruck ausgeht und den Klimawandel und die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt.

Schon zu Beginn war das Interesse der angesprochenen Schülerinnen und Schüler erstaunlich. Obwohl die 7.Klassen mit Wahpflichtfächern, Beginn der VWA und Organisation des Schulballs sehr belastet waren, meldeten sich spontan insgesamt 36 (!) Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, um hier dabei sein zu können. Für mich als Projektleiter galt es nun, die vorhandenen Stundenressourcen mit Inhalten zu füllen.
Zu Beginn stand das Erarbeiten und Präsentieren von Fakten im Vordergrund. Aus den zahlreichen wissenschaftlichen Ergebnissen und Publikationen wurden die wichtigsten Inhalte zum Thema Klimawandelli den TeilnehmerInnen nähergebracht. Im Wesentlichen ging es um die Ursachen, die Folgen und mögliche Auswirkungen, sowie um Gegenmaßnahmen und politische Entwicklungen, die mit dieser bedrohlichen globalen Thematik in Zusammenhang stehen.
Organisatorisches Hauptproblem war das Finden von Terminen, da alle Gruppenmitglieder in verschiedenen fixen Nachmittagseinheiten (WPF, Olympiakurse, Übungen…) engagiert waren. Daher gab es immer jeweils zwei Einheiten zur Auswahl, in denen die gleichen Inhalte angeboten wurden. Die hohe Teilnehmerrate rechtfertigte dieses Angebot.
Neben den Informationseinheiten gab es natürlich wissenschaftlich orientierte Filme und Videos, sowie Gäste, die in den Unterrichtseinheiten bestimmte Spezialthemen abhandelten. Den Anfang machte Hubert Lemmel von der Ressourcen Management Agentur (RMA), der in zwei Nachmittagen ein sogenanntes „Little Foot Workshop“ durchführte, dessen Ziel es war, den ökologischen Fußabdruck und seine Aussagekraft kennenzulernen und im Anschluss daran den eigenen Wert möglichst genau zu ermitteln.
Schon damals entwickelte sich die Idee, an einem öffentlichen Abend auch die Eltern in unsere Erfahrungen einzubinden.

Parallel zu den Einheiten in der Gruppe der 36 „SpezialistInnen“ gelang es, einen Großteil des LehrerInnenteams der 7. Klassen von unserem Anliegen zu überzeugen, auch im Regelunterricht die verschiedensten fachbezogenen Anknüpfungsbereiche zum Thema Klimawandel zu beleuchten. Die Ergebnisse waren durchaus positiv und erstaunlich vielseitig.
Bald wurde auch die Wirtschaftsuniversität Wien auf unser Projekt aufmerksam. Studentinnen und Studenten des Masterlehrganges "Socio-Ecological Economics and Policy" und der Initiative „System Change, not Climate Change“ besuchten uns in Wiener Neustadt, um in verschiedenen Teilbereichen unseres Themas auf spielerische Art Vertiefungen durchzuführen, in deren Fokus die Nachhaltigkeit und das praktische Erarbeiten von themenbezogenen Fragen stand. Die Arbeiten entwickelten sich derart gut, dass eine Einbindung der Ergebnisse in den öffentlichen Abend beschlossen wurde.
Ein weiterer Teilaspekt, nämlich die Energieeffizienz, wurde mit Hilfe einer Wärmebildkamera untersucht, wobei an einem kalten Jännertag die vielen Energieverluste an unserem Schulgebäude eindrucksvoll bewiesen und fotografisch festgehalten werden konnten.
Im März war es dann so weit: Unter dem Titel KLIMA-ABEND veranstaltete unsere Projektgruppe eine Art Leistungsschau der Arbeiten und gewonnenen Erfahrungen. In ungemein eindrucksvollen Beiträgen liefen die Schülerinnen und Schüler vor den zahlreichen Gästen buchstäblich zur Höchstform auf. Sie präsentierten wissenschaftliche Inhalte, Befragungsergebnisse und Politiker-Interviews, einen eigens komponierten Klima-Song, ein selbst geschriebenes und in ein Video umgesetztes Märchen, eine Koch-Show und einen Poetry-Slam. Zusätzlich präsentierten sie dem durchwegs sehr interessierten Publikum an verschiedenen Stationen hautnah ihre Untersuchungsergebnisse. Ein weiterer Höhepunkt des Abends war das wissenschaftliche Hauptreferat von Frau Univ. Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb (BOKU Wien). Sie verstand es in einfachen und mitreißenden Worten, aber stets mit wissenschaftlichem Hintergrund, die Zuhörerschaft in ihren Bann zu ziehen und zu beeindrucken.
Letzte Gäste in unserem Projektjahr waren Anfang Juni zwei Experten, die über ihre Arbeit beim Klimabündnis (Hannes Höller) und bei der niederösterreichischen Energie- und Umweltagentur und SOL (Josef Gansch) berichteten und für Fragen zur Verfügung standen.
Als letzter und für die Schüler natürlich sehnlichst erwarteter Höhepunkt stand dann Ende des Schuljahres (18. – 21.Juni) ein GELÄNDEPRAKTIKUM in SCHLADMING am Programm. Dort wurde versucht, die verschiedenen Inhalte und Erfahrungen aus dem Unterricht in der Praxis zu verifizieren. Das Erfreuliche daran: Durch die Schirmherrschaft des „k.i.d.Z.21-Austria“ Projektes gelang es, vier echte Fachexperten und Wissenschaftler zu gewinnen, die extra und ohne Honorarkosten zu verlangen, zu unserer Gruppe nach Schladming stießen, um in ihrem Tätigkeitsbereich unsere SchülerInnen bei den Forschungsarbeiten zu begleiten. Daran erkennt man einerseits, wie ernst dieses Thema in der Wissenschaft genommen wird und andererseits, welch große Idealisten auch im wissenschaftlichen Bereich tätig sind. Sogar die Stadtgemeinde Schladming zollte unserem Projekt durch eine Einladung ins Rathaus Respekt. Es war wirklich beeindruckend, mit welchem Engagement alle Beteiligten (SchülerInnen, BegleitlehrerInnen und Experten) bei der Arbeit waren und mit welchen tiefen Eindrücken alle danach die Heimreise antraten.
Rückblickend kann ich sagen, dass dieses Projekt alle meine Erwartungen übertroffen hat. Obwohl ich mich inhaltlich schon seit Längerem mit dem Thema Klimawandel auseinandersetze, war die direkte Arbeit mit Schülerinnen und Schülern, die sich freiwillig dazu gemeldet hatten, faszinierend. Auch wenn so manche Details uns immer wieder betroffen machten, stand doch das Verfolgen eines gemeinsamen Ziels im Mittelpunkt, nämlich eine tief gehende Bewusstseinsbildung im Rahmen der Gesamtproblematik des Klimawandels.
Unsere Arbeit hat weit über unsere Schule hinaus Anerkennung gefunden, wie z.B. in lokalen Medien, der Universität Innsbruck, der WU-Wien, der Stadtgemeinde Schladming oder bei diversen NGO´s. Das ist in erster Linie der Verdienst unserer 36 Schülerinnen und Schüler. Unter diesem Aspekt betrachtet müsste uns um die Zukunft unseres Planeten nicht bange sein. Allerdings haben wir alle eines gelernt: Wenn wir der Herausforderung des Klimawandels begegnen wollen, dann müssen wir alle unseren persönlichen Beitrag leisten, unsere Konsumgewohnheiten überdenken und unser Verhalten ändern – Und das HEUTE und nicht morgen!

Mag. Martin Welte

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